Der große Traum von Hollywood

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Norbert von Thule
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Registriert: 11.06.2006, 21:15

Der große Traum von Hollywood

Beitrag von Norbert von Thule »

Heute im Hamburger Abendblatt:
Mirko Schneider hat geschrieben:
Der große Traum von Hollywood

Schule für mittelalterlichen Schwertschaukampf hofft auf große Filmkarriere. 150 Aktive trainieren mit Begeisterung

1997 besuchte Heiko Schulze einen mittelalterlichen Markt in Norderstedt. "Plötzlich erhoben sich die gewandeten Männer und Frauen und kämpften im Zeitlupentempo miteinander. Ich stand in ihrer Mitte. Es war beeindruckend. Ich wusste sofort: Das will ich auch."
Mittlerweile hat Schulze, 42, sich seinen Wunsch erfüllt. Er ist Geschäftsführer und Trainer in seiner Schule für mittelalterlichen Schwertschaukampf (SSK), der fast 150 Aktive in sechs Niederlassungen angehören. Fast die Hälfte davon kommt aus Pinneberg (45) und Elmshorn (20). Die Elmshorner Gruppe zeigte neulich bei der Sportlerehrung in Elmshorn dem Publikum eine beeindruckende Massenschlacht.
Es war ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der SSK, die 2006 begann. Schulze wandte sich mit einem Konzept für Grundkurse im Schwertschaukampf an sechs Volkshochschulen. Zwei positive Antworten erhielt er. Als 2007 in Pinneberg der erste Grundkursus startete, ging ihm nach acht Unterrichtsstunden das Unterrichtsmaterial aus. Das Basiswissen war vermittelt, der Kursus somit zu Ende. Eigentlich. Die Gruppe wollte aber unbedingt weitermachen. So entwickelte Schulze sein Konzept weiter. Ein Grundkursus an einem Wochenende bringt den Einstieg in den Schwertschaukampf, danach folgt wöchentliches Training in einer Gruppe.
"Und das, was wir dort machen, ist mit dem Tanzen am ehesten verwandt", sagt Denise Brandt, 21. Sie ist Trainerin der Elmshorner Gruppe und fand schon als kleines Mädchen die Ritter immer cooler als die Burgfräuleins. Doch sie betont, es gehe keinesfalls darum, das Mittelalter so authentisch wie möglich nachzuspielen. "Wir kämpfen miteinander. Es ist ein Schaukampf. Es geht nicht darum, den anderen zu besiegen." Passt ein Kämpfer mal nicht auf, existiert sogar eine Technik namens Abgleiten vorwärts, mit dem das Schwert vor dem Körper des Partners gestoppt wird. Allerdings seien die Kämpfe auch nicht choreografiert. Die Kombination der gelernten Techniken bleibt den Kämpfern überlassen. Brandts Aufgabe vor einem Auftritt ist es, die richtigen Kämpfer gegeneinander antreten zu lassen. "Ich schaue einfach, wer am besten zueinander passt", sagt Brandt. Verletzungen habe es in all den Jahren so gut wie keine gegeben. Auch die Materialkosten hielten sich beim Einstieg in den Schwerschaukampf in Grenzen. Die circa 2,5 Kilo schweren Schwerter kosten zwar 200 bis 300 Euro, die Schule verleiht jedoch Schwerter aus ihrem Bestand zu Trainingszwecken.
Wer mitmacht, taucht plötzlich ein in eine ganz eigene Welt. Ein Beispiel sind die Auftritte auf Mittelaltermärkten. Oft reist die Schule mit mehr als 100 Personen an und darf im Gegenzug für einen Auftritt ihr Heereslager aufschlagen. "Dort kann man dann in der Gemeinschaft so richtig schön Urlaub von sich selbst machen", sagt Tina Krüger, 34, Mitglied der Elmshorner Gruppe. "Man taucht ab in eine andere Welt, powert sich im Kampf voll aus."
Manchmal sogar richtig weit weg von daheim. Die schönste Reise unternahm die SSK 2010 nach Hermannstadt in Rumänien. Mehr als 600 Zuschauer verfolgten die Kampfauftritte der Gruppe, ließen sich Autogramme geben.
Auch die Persönlichkeitsentwicklung, erklärt Brandt, wird befördert. Als Beispiel nennt sie Tjorven Bahns, die samt Familie erst seit einem Jahr dabei ist. "Sie ist als Kämpferin schon fast unschlagbar und hat die Feuerschwerter auch schon für sich entdeckt", sagt Brandt. Oft kämen Neueinsteiger etwas schüchtern zum Grundkursus und entwickelten dann eine unheimlich hohe Motivation, viel Spaß an der Sache und ein enormes Selbstbewusstsein.
Dieses Selbstbewusstsein besitzt auch Heiko Schulze. Der Mann hat hohe Ziele, genauer gesagt ein Traumziel: Hollywood. "Die Kämpfe in Ritterfilmen", erläutert seine Trainerin Denise Brandt, "zeigen oft Bewegungen, die gar nicht durchführbar sind. Man merkt, wie gestellt das ist."
Schulze stört das. Er ist überzeugt, dass seine Kämpfer die Schlachten in Filmen wesentlich realistischer darstellen können. Deshalb schreibt er an Casting-Gesellschaften, Produzenten und TV-Sender. "Es tut mir in der Seele weh, dass Filme wie "Die Säulen der Erde" oder "Die Wanderhure" so komplett an uns vorbeigegangen sind."
Die Mitglieder seiner Schule schätzt er als so motiviert ein, dass er sie, wie er mit einem Schmunzeln sagt, "in kürzester Zeit für einen Film in einen Jumbo setzen und zu den Waffen rufen könnte". Sogar nach Seattle hat Schulze bereits Kontakt aufgenommen. Dort gebe es gewandete Ritter, die elegant durch die Straßen zögen, von Schwertern aber nicht viel verstünden. "Vielleicht gelingt uns über diesen Kontakt eine Filmkarriere", sagt Schulze. Es wäre nicht das erste Mal, dass ihm eine gute Idee gelingt.
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Tanzmeister Denesius
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Re: Der große Traum von Hollywood

Beitrag von Tanzmeister Denesius »

Na dann mal viel Erfolg
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Montrose
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Re: Der große Traum von Hollywood

Beitrag von Montrose »

Sarazzin ("Deutschland schafft sich ab") hat im neuesten FOCUS etwas gesagt, das so dumm ist, daß es schon wieder brilliert. Jedenfalls brachte er mich zum Nachdenken.

Er meinte, daß es in Ordnung sei, wenn z. B. EU-Abgeordnete sehr viel Geld verdienen. Und zwar nicht, weil sie eine besondere Leistung erbrächten, sondern weil sie die "Besten" seien.
Abgesehen davon, andere Menschen hätten ja in anderen "Referenzsystemen" die Chance, was aus sich zu machen.

Was hat das mit Hollywood und Schwertkämpfern zu tun?

Womöglich eine ganze Menge. Vielleicht macht es die Menschen ja glücklich, wenn sie als "Schüler" einem Guru den Kopf in den Arsch stecken, auch wenn die Kunst, die er lehrt, völlig sinnlos ist.

Soziale Mikrosysteme werden selbst-referentiell. Sarazzin inspiriert einen zu der genialen Idee, aus Lösungen (Zuwanderung) Probleme zu machen (angebliches Aussterben der Deutschen) ... und im nachfolgenden Pendelschwung aus Problemen (blödsinnige Referenzsysteme) Lösungen (so nach dem Motto: jeder ist ein König ..irgendwo) zu machen. Respekt.

Der schöne Schein ist nichts weiter als die Zombifizierung des Gesellschaft. Hatten wir ja schon mal: Das Volk war Hauptdarsteller in der ganz großen Oper .... vom Fackelmarsch bis Stalingrad. Angebliche Ästhetik in einer angeblichen Historie. Ich glaube, es tut den Menschen auf Dauer nicht gut, wenn sie in Opern leben.
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Scud von Hochstaden
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Re: Der große Traum von Hollywood

Beitrag von Scud von Hochstaden »

Wenn die damit Erfolg haben dan werde ich den Freitod wählen
“Gott kennt Gnade, ich nicht.“ :101

Niemals vergessen,niemals verzeihen.

Jemandem die Warheit ins Gesicht zu sagen ist keine Sünde
~Scud von Hochstaden , Erzbischof von Köln
Montrose
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Re: Der große Traum von Hollywood

Beitrag von Montrose »

Das war die falsche Antwort. :roll:

Du mußt la revoluciÁ³n machen.
Che Guevarra. Fidel Castro.
Macht kaputt was euch kaputt macht.

Was ist nur los mit den Deutschen. Anstatt den Reichstag zu stürmen, hören sie sich Unheilig an und weinen sich dabei ihr Netz-T-Shirt voll.
Sandra von Stahlberg
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Re: Der große Traum von Hollywood

Beitrag von Sandra von Stahlberg »

Montrose
Wolle pflichtet dir bei.Er meint besser Pferd in der Lasange als ESEL im Reichstag.
Helden leben lange,doch Legenden sterben nie!
Einer für alle,alle für einen!
Montrose
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Re: Der große Traum von Hollywood

Beitrag von Montrose »

Soviel Zustimmung von einer Gruppe, die ich als rechtschaffen und gut kennenlernte, macht mich fast verlegen. :oops: Ich bin nur ein Schwätzer, der lieber irgendwelche Bücher liest anstatt auf die Straße zu gehen.

Und dennoch. Wenn man älter wird, wird man Augenzeuge von Geschichte.

Norbert und ich -vielleicht auch Scud - stammen aus einer Zeit, als noch die Fahndungsplakate für die letzten Links-Terroristen in den Poststellen aushingen. Daß es die Prügelperser gab - das erfuhr ich erst 20 Jahre später, nachdem ich anfing Geschichtsbücher zu lesen. Als 2008 der RAF-Film mit Moritz Bleibtreu ins Kino kam, hatte ich Bekanntschaft mit einer jungen Frau. Ich erzählte ihr von dem Film, und sie meinte "Ach, das ist doch die Verfilmung von so einem Roman." Und da begriff ich plötzlich, daß wir den Jungen genauso etwas zu erzählen wüßten wie damals unsere Großväter. Denn für die Jungen heute ist die Vorgeschichte ihres Lebens, von der wir Älteren wissen, genauso unvorstellbar und fremd wie für uns die Erzählungen aus den Weltkriegen waren.

Wir sind tatsächlich Augenzeugen! Davon, wie aus einem sozialen Protest eine Naturpartei wurde, die sich mehr für Frösche als für Menschen interessierte. Davon, wie Helmut Schmidt die Atombombe befürwortete, ein in Sozialhilfe aufgewachsener Gerhard Schröder Arbeitslose als Faulenzer verunglimpfte und damit wie Judas seine eigene Herkunft verriet. Und heute will ein geldgieriger und respektloser Rentner Kanzler werden. Ob Steinbrück, Merkel, Rösler …. keiner könnte sagen, wofür sie eigentlich stehen, welche Vorstellungen sie von einem guten Staat haben. Alle Parteien haben Fehler begangen. Aber die Enttäuschung über das linke Spektrum ist besonders groß, weil das linke Spektrum einmal große Hoffnungen schürte.

Was ist eigentlich aus den 68gern geworden? Da waren doch einmal Ideale von einer gerechteren Welt in den Köpfen. Statt dessen geht es zunehmend ungerechter zu. Das mag man im Moment vielleicht noch nicht so zu merken. Aber klar ist, daß die Söhne und Töchter der mächtigen und reichen Eltern über Generationen hinweg über die anderen herrschen werden. Daß sie sagen „Wir sind die Besseren“ und andere als minderwertig betrachten. Wer bekommt die höheren Posten? Die meisten Professoren sind Kinder von Akademikern. Frau von der Leyen ist die Tochter eines Ministerpräsidenten. Wie will denn eine dermaßen Begünstigte wissen, was eine normale Familie braucht? Die da oben bleiben unter sich und die wenigen Aufsteiger erweisen sich als dumpfe Raffzähne. Wenn aber die Verantwortungsträger die Situation der Mehrheit der Menschen nicht sehen können oder wollen, wie können sie dann noch verantwortlich handeln? Ab einem gewissen Punkt hätte ich keine Schwierigkeit damit, die Machthaber als illegale Usurpatoren zu bezeichnen, die überhaupt kein Recht haben, über irgend etwas oder über irgend jemanden zu bestimmen. Deren Titel genauso bedeutungslos sind als ob ich mich König Kunibert nennen würde und deren Worte, Anweisungen und Gesetze nichts gelten und niemand befolgen muß. Es ist der Reiz der Geschichtsbücher, zu wissen, daß man die Welt jederzeit neu auswürfeln könnte …

Keiner muß sich erst noch als Ritter verkleiden. Denn faktisch leben wir wieder in der Feudalgesellschaft des Mittelalters. Mit einem Unterschied: die Menschen im Mittelalter hatten wenigstens noch den lieben Gott. Wir heute haben tote Naturwissenschaften, die irgendwelchen Firlefanz produzieren, und den seichten Dunst der Massenmedien. Der Niedergang der Werte-Kultur in Deutschland ist ein gigantisches, unvergleichliches, erdbebenhaftes Ereignis. Wie der Erste Weltkrieg oder der Fall der DDR-Mauer. Wir müssen den jungen Leuten von uns und unserer Zeit erzählen! Vielleicht wird es die Jungen heute nicht interessieren. Aber wenn sie einmal so alt wie wir sind, werden sie begreifen, daß wir von ihrer Zukunft sprachen. Und daß sie Augenzeugen ihrer Geschichtsepoche sind.
Montrose
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Re: Der große Traum von Hollywood

Beitrag von Montrose »

Hier noch ein bißchen Material zum Thema

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 88000.html

Der Artikel fragt, warum sich die Leute das gefallen lassen. Ganz einfach: weil die Leute gerade auf irgendeinem falschen "Psycho-Trip" sind. Die Deutschen reden sich irgendwas ein, was sich nicht sind. Einzigartig, adelig, frei, selbstbestimmt, respekteinflössend, tiefsinnig. Und wenn man so besoffen von seiner eingebildeten Größe ist, dann bemüht man sich nicht mehr um wirkliche Größe. 80 Millionen zweibeinige Wasserbeutel träumen vor sich hin. Ein chinesisches Glückszeichen auf den Arsch tätowiert und schwupp bin ich Dschingis Khan. All das, von dem die Masse der Deutschen glauben, sie hätten es schon erreicht, müssen sie sich erst noch erkämpfen.

Ritter ist, wer echte Konflikte austrägt.

Immerhin, die Öcher haben gegen die "Campus"-Bahn gestimmt. Campus.... wenn der Elite-Hype zu Ende geht, die Fördermittel auslaufen (das fängt ja jetzt schon an!) und der demographische Faktor durchschlägt, dann wird auf dem "Campus" genauso der Löwenzahn blühen wie auf dem Avantis-Gelände. Auf dem "Campus" gibt's ja nicht mal eine vernünftige Kneipe . Eine Eisenbahn direkt auf den Acker!

Aber die Öcher .... ganz blöd sind sie dann doch nicht.

Es gibt also noch dieses kleine gallische Dorf, die Wutbürger - Menschen, die noch echte Würde besitzen.
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