Archäologietour 07.10.12 Zülpich

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Norbert von Thule
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Archäologietour 07.10.12 Zülpich

Beitrag von Norbert von Thule »

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Julia Kohlhagen hat geschrieben:Als Station der „Archäologietour Nordeifel 2012“ kann die Landesburg Zülpich am kommenden Sonntag, 7.”…Oktober, von 10 bis 18 Uhr besucht werden. Neben der kriegerischen Historie der Burg und der Bedeutung von Brücken und Fluchtpforten können sich die Besucher zudem ein Bild vom zukünftigen Gelände der Landesgartenschau (Laga), die 2014 in Zülpich stattfindet, machen.
„Neben denen in Lechenich, Linn und Kerpen zählt die Landesburg Zülpich zu den letzten vier noch erhaltenen, charakteristischen kurkölnischen Landesburgen des 14.”…Jahrhunderts im Rheinland“, erklärt Hans-Gerd Dick, Kulturreferent der Stadt Zülpich und Vorsitzender des Kreisgeschichtsvereins. Ursprung der Landesburg sei ein Kastell gewesen, das die Römer bereits in der Spätantike auf dem Mühlenberg anlegten. „Bis weit ins Mittelalter hinein wurde dieses Kastell von den Pfalzgrafen, die zu dieser Zeit die Rechte in der Stadt hatten, genutzt“, weiß Dick zu berichten.
1275 ließ der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg zur Sicherung der Stadt und seines Herrensitzes eine erste mittelalterliche Burg auf dem Areal am Mühlenberg errichten. Er ließ auch einen Wallgraben rund um die Stadt anlegen. „Das war aus Sicherheitsgründen wichtig, denn die Zeiten waren damals nicht friedlich. In mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen um den Besitz der Stadt Zülpich zwischen den Kölner Erzbischöfen und den Grafen und späteren Herzögen von Jülich wurden die Stadt und ihre Befestigungsanlagen mehrfach zerstört und neu errichtet“, schildert der Regionalgeschichtsforscher. Erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts konnten sich die Erzbischöfe den Besitz der alten Römerstadt sichern. 1369 begann auch der Bau einer neuen Burganlage, die in den 1390er Jahren fertiggestellt wurde.
„Die Burg mitsamt den Mauern und Toren ist mit den heute erhaltenen Bauten großteils identisch“, freut sich Dick. Das mache den besonderen Reiz dieser Station der „Archäologietour Nordeifel 2012“ aus. Der Erzbischof ließ zudem rund um die Stadt einen großzügig bemessenen Wallgraben, der weitgehend dem späteren Mauerring entspricht, anlegen.
Der frühere Burggraben war für die Archäologen, die 2011 Untersuchungen im zukünftigen Laga-Gelände durchführten, eine wahre Schatzkammer, denn die mittelalterlichen Burgbewohner ließen gerne ihren Müll im Graben verschwinden. Neben Tierknochen, Kanonenkugeln und Steinscherben hielt der Burggraben noch einen weiteren bedeutenden Fund für Petra Tutlies und ihr Team bereit: die Überreste der steinernen Brücke, deren torwärts gelegenes Teilstück als hölzerne Zugbrücke ausgeführt war. „Die Überreste der Brückenpfeiler sind aus Bruchsteinen erbaut, die sicherlich aus dem Abbruchschutt der Vorgänger-Anlage stammen“, erläutert Dick. Und weiter: „Vor den Grabungen 2011 war die Brücke der Fluchtpforte nur mit Schriftzeugnissen und Illustrationen belegt. Jetzt haben wir auch den baulichen Beweis, dass es den Fluchtweg gegeben hat.“ Bei Grabungen im Sommer dieses Jahres konnten auch die Überreste der Brücke, die das Haupttor an die Stadt anband, gesichert werden. An beiden Stellen wurden die Brückenpfeiler allerdings wieder verfüllt, da sie so auch für die Nachwelt erhalten bleiben. „Am Sonntag werden ihre Positionen allerdings für die Besucher auf dem Boden markiert sein“, sagt Dick. Auch ein abgesperrter Teilbereich der Wallgrabenzone des künftigen Landesgartenschaugeländes sei für die Archäologietour-Teilnehmer zugänglich.
Für die Landesgartenschau entstehen nämlich im Bereich des Wallgrabens eine Burgplaza mit Bühne sowie eine neue Brücke. Diese wird über den Wallgraben in einen Rosengarten führen und zugleich einen Zugang zur Burgplaza bieten.

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Krieg und Frieden in Zülpich

Kanonenkugeln, Rinderknochen, Steinzeugscherben und ein Stück Wasserleitung entdeckten die Archäologen des Amts für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinlands (LVR) bei der Untersuchung des früheren Burggrabens der Landesburg Anfang 2011. Diese Funde und die daraus gewonnenen Erkenntnisse präsentiert und erläutert Petra Tutlies vom LVR den  Besuchern der „Archäologietour Nordeifel 2012“.
Führungen rund um die Burg und das Gelände der Landesgartenschau 2014 bietet Hans-Gerd Dick, Kulturreferent der Stadt Zülpich und Vorsitzender des Kreisgeschichtsvereins, an. Dabei wird er zu dem Thema „Krieg und Frieden“ die Besucher mit Anekdoten und vielen interessanten Informationen rund um die Geschichte der Landesburg unterhalten. So erfährt man mitunter, wer der „blaue Heinrich“ war.
In der Geschichtswerkstatt im Inneren der Landesburg können sich die Archäologietour-Teilnehmer bei Kaffee und Kuchen stärken.
Die Organisatoren haben sich für die Kinder ein besonderes Highlight einfallen lassen: Sie dürfen mit einer Miniatur-Blide, einem mittelalterlichem Wurfgerät, Wasserbomben verschießen.
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