Satzvey vs. Plack

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Norbert von Thule
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Satzvey vs. Plack

Beitrag von Norbert von Thule »

Günter Hochgürtel hat geschrieben:
Hexen nerven am meisten

Stefan Plack und andere Nachbarn von Burg Satzvey sind sauer. „Da ist fast jede Woche Kirmes“, berichtete der Antragsteller im Stadtentwicklungsausschuss.

Die Burg Satzvey ist vielen Menschen im gesamten Rheinland ein Begriff. Schließlich locken die Ritterspiele jährlich Tausende von Besuchern auf die idyllische Feste in der Voreifel. Auch die Stadt Mechernich versucht, mit dieser erfolgreichen Großveranstaltung ihren Tourismus anzukurbeln.
Aber es gibt ebenso etliche Leute, die die zahlreichen Großevents von Franz-Josef Graf Beissel von Gymnich gar nicht toll finden. Denn auch die Übernahme der Geschäfte durch Grafentochter Patrizia hat die Situation für die Anwohner der Wasserburg nicht wirklich verändert. An den Wochenenden ist in Satzvey regelmäßig Ramba-Zamba.

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Stefan Plack ist sauer. (Foto: Günter Hochgürtel)

Stefan Plack ist derjenige, der darunter nach eigenen Angaben am meisten zu leiden hat. Zumindest, wenn der Lehrer mal wieder für längere Zeit zu Hause ist. Plack, früher sogar Ortsvorsteher von Satzvey, war in den vergangenen Jahren immer mal wieder als Pädagoge im Ausland tätig, zuletzt in Tripolis, der Hauptstadt Libyens.
Seit einiger Zeit wohnt der Lehrer gemeinsam mit seiner Familie wieder im eigenen Haus in direkter Nachbarschaft zur Burg und ist als Leiter der örtlichen Grundschule im Einsatz. Damit fangen die Probleme für die gräfliche Familie und ihr Vergnügungsunternehmen wieder an.
„Wir haben aus Satzvey in den vergangenen Jahren kaum noch Beschwerden gehört“, erklärte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick am Dienstag in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Die Fraktionen hatten sich mit einem Bürgerantrag von Stefan Plack zu beschäftigen, in dem es um die seiner Meinung nach unerträgliche Lärmbelästigung durch die zahlreichen Veranstaltungen auf der Burg ging. „Da ist fast jede Woche Kirmes“, berichtete der Antragsteller, den der Ausschussvorsitzende Heinz Sechtem (CDU) zu Wort kommen ließ.
Hans Sofka (UWV) wohnt wie Plack in der Nähe der Burg und konnte bestätigen, dass die Belastung für die Anwohner nicht tolerierbar sei. „Mich rufen sogar Leute aus den Nachbarorten an und fragen, was bei uns los ist“, ließ sich Sofka ein. Satzvey sei in zwei Lager gespalten: Die einen seien für den Graf, die anderen dagegen. Letztere würden im Dorf sogar gemobbt.

Lärmmessung schwierig

Johannes Ley (CDU) zeigte sich erstaunt über die neuerliche Entwicklung: „Ich dachte, wir seien auf einem guten, einvernehmlichen Weg.“ Sein Fraktionskollege Konrad Hamacher gab zu bedenken, dass sich Beissel in der Vergangenheit oft genug über Vorschriften hinweg gesetzt habe. SPD-Sprecher Wolfgang Weilerswist bemängelte indes, dass sich in der fraglichen Sache seit 2006 von Verwaltungsseite nichts mehr getan habe.

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Die Tanzgruppe Akasha erfreute zwar die Zuschauer beim Hexenfest, aber dass bis 1 Uhr gehext wurde, missfiel den Nachbarn.  (Foto: Tim Nolden)

Laut Stefan Plack sind es noch nicht einmal die Ritterspiele selbst, die eine Plage für die Anwohner darstellen, sondern beispielsweise das Hexenfest am Vorabend des Maifeiertags, bei dem laute Musik bis 1 Uhr nachts durch den Ort schallte. ”¨Thomas Schiefer, der Stadtplaner, wandte ein, dass die angemahnten Lärmmessungen nicht unbedingt das Problem lösen würden: „Wenn gemessen wird, bekommt der Graf das schnell spitz, dann wird die Musik leiser gefahren.“ Es sei für die Stadt schwer, ständige Kontrollen durchzuführen, sowohl was den Personaleinsatz als auch die Technik betreffe. Nur mit von Fachleuten verfassten Messprotokollen komme man vor Gericht weiter.
Im Ausschuss kristallisierte sich schnell eine Mehrheit heraus, die Stefan Placks Begehren nach einer für die Anwohner erträglichen Form der Veranstaltungsorganisation auf Burg Satzvey unterstützte. Wie Ordnungsamtsleiter Johannes Schnichels erklärte, sind die Konzerte oder Events im Bourbonensaal über das Baurecht abgedeckt. Auch in Sachen Ostermarkt oder Weihnachtsmarkt gibt es keine Differenzen.
Wenn wie seinerzeit beim neu installierten Afrika-Markt den ganzen Tag über getrommelt wird, liegen die Nerven der Anlieger verständlicherweise blank. Für Großveranstaltungen dieser Art gibt es keine rechtliche bindende Grundlage, auf die sich die Stadt oder etwaige Beschwerdeführer berufen können. Das gilt auch für die Zahl der Veranstaltungen generell.
Dass die gräfliche Familie hin und wieder auch ohne behördliche Genehmigung zum Fest einlädt, ist im Rathaus bekannt und wurde unlängst mit einem Bußgeld in fünfstelliger Höhe belegt. Im Stadtentwicklungsausschuss war man allerdings ein Stück weit ratlos, wie das seit Jahren ungelöste Problem zur Zufriedenheit beider Parteien rechtlich gelöst werden kann. Die Verwaltung versprach jedoch, weiter am Ball zu bleiben.
Graf Beissel von Gymnich kann die ganze Aufregung, die im Ausschuss hochkochte, nicht nachvollziehen. „Plack ist ein Stänkerer, sonst nichts“, wetterte er gestern im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Man bemühe sich, die Belästigung für die Anwohner in Grenzen zu halten. „Beim Hexenfest war bei uns am Maifeiertag um 1 Uhr Ruhe, der Junggesellenverein hat bis 4 Uhr gefeiert“, so Beissel.
Das angesprochene Bußgeld sei im Übrigen wegen einer Halloween-Veranstaltung verhängt worden und nur vierstellig gewesen, so der Graf am Telefon.
(Quelle: Kölner Stadtanzeiger)
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Norbert von Thule
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Re: Satzvey vs. Plack

Beitrag von Norbert von Thule »

Ronald Larmann hat geschrieben:
Baugenehmigung für „Typ Ritterspiele“

Theo Schoddel hatte eine blendende Idee. „Lasst uns doch beim Stefan Plack im Garten eine stationäre und verplombte Lärm-Messstation aufbauen“. Doch so leicht ist es nicht, wenn es um die nicht enden wollende Geschichte um Ritterspiele und lärmgeplagte Anwohner geht.

Es wäre auch zu schön gewesen. Theo Schoddel (CDU) hatte eine blendende Idee im Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Mechernich. „Lasst uns doch beim Stefan Plack im Garten eine stationäre und verplombte Lärm-Messstation aufbauen“, so der Ratsherr. Dann hätte man endlich etwas beweisfähiges in der Hand. Doch so leicht ist es nicht, wenn es um die nicht enden wollende Geschichte um Ritterspiele und lärmgeplagte Anwohner geht.
Warum, das erklärte Thomas Schiefer: „Solch ein Verfahren ist leider auch nicht gerichtsfest.“ Es müsse bei einer solchen Messung immer jemand dabei sein, der protokolliert. „Diese Person muss festhalten, ob die aufgezeichnete Lärmspitze von kämpfenden Rittern verursacht wurde oder von Theo Schoddel, der mit seinem Oldtimer-Traktor zu Besuch bei Stefan Plack ist“, so der Mechernicher Stadtplaner.
Besagter Satzveyer Bürger war es auch, der das Thema mit seinem Bürgerantrag wieder ins Rollen gebracht hatte. „Ich will die Ritterspiele gar nicht verhindern“, sagte Plack in einer kurzen Sitzungsunterbrechung. „Aber die Veranstaltungen haben inzwischen wieder ein Maß erreicht, das man nicht mehr tolerieren kann“, so Plack. Schützenhilfe erhielt er von Hans Sofka (UWV). Der Satzveyer Ortsvorsteher wohnt unweit des direkt an das Burggelände grenzenden Grundstücks von Stefan Plack.
„Das Spektakel ist enorm und wir leben mittendrin in diesem Loch“, so Sofka. Er habe es inzwischen aufgegeben, etwas gegen die Ritterspiele zu sagen, weil er immer wieder bei Befürwortern im Ort anecke. Er sprach sogar von „Mobbing“. Eines ist für Sofka allerdings klar: „Es muss alles nicht so laut sein.“
Das sieht auch Stefan Plack so, der äußerte, mit der Beschlussvorlage, die der Ausschuss einstimmig absegnete, leben zu können, wenn diese zu Veränderungen führe.
Was besagt der Beschluss jetzt genau? Dafür holte Stadtplaner Thomas Schiefer nochmal etwas aus. „Es gilt, drei Veranstaltungs-Typen zu unterscheiden“, so Schiefer. Das seien erstens die Veranstaltungen im Bourbonensaal. „Für die gibt es eine Konzession“, so der Stadtplaner. Theoretisch könne in dem Saal damit jeden Tag etwas veranstaltet werden.
Als zweiten Typ nennt er die Events, die nach Marktrecht genehmigt würden. Dafür ist Ordnungsamtsleiter Johannes Schnichels mit seinem Team zuständig. „Nach Marktrecht wurden im vergangenen Jahr Oster-, Hexen-, Afrika- und Weihnachtsmarkt genehmigt“, sagte Schiefer. Theoretisch könnten über dieses Recht einmal im Monat bis zu zwei Tage dauernde Veranstaltungen durchgeführt werden, so Schnichels.

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Zu laut oder nicht zu laut? Die Ritterspiele auf Burg Satzvey sollen künftig über eine Baugenehmigung legitimiert werden. Foto: Larmann

Als drittes nannte Schiefer dann den „Typ Ritterspiele“. Der stelle das Problem dar. „Nachdem ein Bebauungsplan 2006 vor dem Oberverwaltungsgericht Münster den Bach hinunter gegangen ist, sind wir nun zur Erkenntnis gelangt, dass eine Baugenehmigung ein vernünftiger Weg ist“, so Schiefer. Die sei in Arbeit und liege derzeit bei der Unteren Immissionsschutzbehörde (UIB) des Kreises. Da werde auf Grundlage der bereits ermittelten Lärmwerte geprüft, inwieweit Grenzwerte eingehalten werden können. „Das sind allerdings erstmal nur Prognosen“, so Schiefer.
Die werde man dann mit der UIB mit unangekündigten Messungen überprüfen. Denn mit der Baugenehmigung soll auch die rechtliche Grundlage geschaffen werden, um „zukünftig zu klaren Regelungen zu kommen, die eine Sanktionierung jeweiliger Veranstaltungen ermöglichen“. Und noch etwas besagt der Beschluss: Stefan Plack erhält auf Wunsch Einblick in alle Unterlagen.
(Quelle: Kölnische Rundschau)
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Tanzmeister Denesius
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Re: Satzvey vs. Plack

Beitrag von Tanzmeister Denesius »

Und da sieht man es mal wieder...


Selbst wenn du deine Veranstaltungen auf eigenem Grund und Boden maachst, gibts immer noch Leute die nix besseres zu tun haben, als dir mit anlauf ans Bein zu pinkeln. Grade als ehemaliger Bürgermeister sollte der Mensch doch eine Ahnung davon haben, wie wichtig diese Burg für den Tourismus und somit auch die Dorfeinnahmen sind.


Das Big Beissel jetzt nicht grade der Mensch ist dem ich freiwillig die Hand schütteln mag, sei mal dahin gestellt.
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Eyvindr
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Re: Satzvey vs. Plack

Beitrag von Eyvindr »

@Dennis:

Einerseits hast du Recht, das die Burg sicherlich eine große Attraktion ist, die überlebenswichtig für den regionalen Tourismus ist.

Jedoch sehe ich auch die Anliegen der Anwohner gerechtfertigt, zu protestieren, wenns scheinbar zu laut ist. Selbst wenn die Befürworter der Burg in der Überzahl sind, bin ich doch stark dafür, das da Abhilfe geschaffen ist. Ich weiss von Herrn Plack nur aus den oben von Norbert zitierten Texten, hab also keine Ahnung, inwiefern der ein "schwarzes Schaaf" ist bzw. ob er überhaupt eins ist. Wird ja wohl kein Ding sein, Musik oder Echtzeit - Darbietungen auf ein lautstärkemäßig erträgliches Maß zu reduzieren... Ob da nun die Mukke mit 120dBa oder 100dBa schallt, macht nicht den großen Unterschied... Feiern kann man trotzdem...


Aber ich werd das mal verfolgen.
AltF4
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Re: Satzvey vs. Plack

Beitrag von AltF4 »

Beitrag dazu in der Lokalzeit Aachen vom 16.07.2012 in der WDR Mediathek:
http://www.wdr.de/mediathek/html/region ... lashPlayer

Das klingt schon deutlich versöhnlicher als die beiden obigen Artikel. Man beachte allerdings den drolligen Versprecher in der Stellungnahme des gräflichen Töchterleins ("... meine Bürger ...") 8)
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