World War Z

Was geht außerhalb vom Mittelalter?
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Montrose
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World War Z

Beitrag von Montrose » 08.07.2013, 00:02

Mal wieder eine Kino-Kritik. World War Z.

Es geht in dem Film darum, daß die halbe Menschheit durch einen Virus in Zombies verwandelt wird und der Held der Geschichte (Brad Pitt) sucht nach einem Abwehrmittel gegen die Zombies.

Eine gute Kritik besteht aus zwei Bewertungen: Wie ist es gemacht und was ist der Inhalt.

Zum ersten: Die Darstellung rahmt die Handlung in Not-Ordnungen "Was ist das Protokoll in einer Katastrophe" ein, was dem Film Distanziertheit und eine ernsthafte Atmosphäre verleiht. Der klischeehafte Zoom auf eine "Durchschnittsfamilie" und die spröde Spielweise der Frau des Helden reduziert die Identifikation. Ich empfand diese Darstellungsweise angenehm, sonst wäre es schnell kitschig geworden. Dem starken Anfang folgen jedoch gegen Ende Szenarien eines B-Movies. Der Held läuft mit dem Hackebeilchen durch lieblos eingerichtete Kulissenflure. Das sieht so aus, als ob den Filmemachern zum Schluß das Geld ausgegangen sei.

Zum zweiten: Der Inhalt des Filmes ist menschenverachtend. Die Botschaft ist "Scheiß drauf, wenn die Menschheit hopps geht, Hauptsache mir und meiner Familie geht es gut". Es ist einer dieser für die U.S.A. typischen Antipolitik-Filmchen, in denen alles ins Private verlegt wird, der Feind irgendetwas Unpersönliches ist, das man problemlos niederballern kann. Im Prinzip ein völlig konfliktfreier Film, so harmlos wie Heinz-Rühmann. Viel Action soll möglichst alle tatsächlichen Probleme des Lebens ausklammern.

Mario Simmel hat in einem seiner Romane mal sehr überzeugend dargestellt, daß die Flucht ins Private nicht funktioniert. In einer einfühlsamen Episode wird das Liebespiel eines SS-Mannes mit seiner Verlobten geschildert. Und gleich darauf erschießt der SS-Mann einen Juden. Die Verlobte kann das nicht verkraften, diesen Wechsel von Zärtlichkeit zu Gewalt. Liebe und Mord paßt halt nicht zusammen. Soviel zum Thema "My home is my castle". Wenn die Welt zugrundegeht, ist auch das Heim keine Burg mehr. Die begrenzte Tragfähigkeit des Privaten ist übrigens auch das Thema des Liedes "Temple of love" von Sisters of Mercy. In World War Z besteht der Widerspruch darin, daß der Held Rückhalt in seiner Familie sucht, aber die Familien der schuldlos zu Zombies Gewordenen mitleidlos übergangen werden. Wie kann der Film etwas, das er für wichtig hält, gleichzeitig so abwerten?

Es versteht sich von selbst, daß sich die Story in einem an den Haaren herbeigezogenen Happy End wiederfindet. Der Rest der Menschheit wird gerettet. Daß die vielen getöteten Zombies auch einmal Menschen waren, wen juckt das? Daß in dem Film eigentlich Menschen Menschen töten - genau das verharmlost der Film, ja macht daraus einen großen Jux.

Darstellerisch zumindest am Anfang gut gemacht, aber die Botschaft des Filmes ist eine gewaltige Schweinerei. Der Mensch wird in diesem Machwerk zum massenhaften Ungeziefer degradiert. Und statt eines Mückensprays die Atombombe.

Montrose
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Re: World War Z

Beitrag von Montrose » 06.08.2013, 19:06

Wer selbiges Thema in vernünftigem Rahmen erfassen möchte, lese ein Buch.

Nämlich Albert Camus Die Pest. In dieser sommerlichen Erwärmung dachte ich nichts besseres für mein Seelenheil tun zu können als mit genau diesem Roman bewaffnet den Nachmittag in einem Kölner Straßencafe zu verbringen. Denn dies unterscheidet den Menschen vom haarlosen Schimpansen, daß Letzterer die ganze Zeit etwas tun muß, während sich der Erstgenannte der schönen Muße widmet.

Was bist Du: Mensch oder Schimpanse?

Natürlich wird so manch einer entgegnen, er habe in jüngeren Jahren dieses oder jenes geschmökert. Doch, Verblendeter, in der Jugend fehlt die Erfahrung zur Liason der Worte mit der Wirklichkeit. Erst das Leben macht aus Flächen einen Raum. Etwas, das mir auch schon im Zusammenhang von Religion einfiel. Wenn da denn 14jährige die bittersten Psalmen lesen und doch noch gar nicht wissen, was Bitternis ist.


Montrose le philosoph

Montrose
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Re: World War Z

Beitrag von Montrose » 08.08.2013, 14:44

Ein paar Leute haben den Beitrag hier anscheinend gelesen.

Kultur-Kanal hat es immer schwierig. Wer guckt schon ARTE oder ZDFneo? Von daher schmeichelt es mir, wenigstens ein paar follower zu haben. Vielleicht aber hat Norbert den Beitrag 30x angeklickt, um mir eine Freude zu machen, weil ich dann glaube, viele Leute lesen meine Texte. Norbert weiß, daß ich ein bißchen ruhmsüchtig bin Bild. Im Internetcafe singt gerade ein alter Araber. Und jetzt fängt er an rumzupalavern. Halalaschalablalarsamtitam. Und wieder singen. Ich weiß nicht. Ich kann mit Heino irgendwie mehr anfangen. Jetzt, da es warm wird wie im Yemen, fühlen sich die Wüstensöhne alle happy in Allemagne.

Der eigentlich Grund, warum ich hier schreibe, ist eine WARNUNG!

Meine Ausgabe von Camus hat 400 Seiten. Heute morgen nach knapp 300 Seiten bin ich plötzlich total mies draufgekommen. Mag sein, daß ich klüger und tiefsinniger als noch vor einer Woche bin --- jetzt kommt noch ein lachender Araber dazu :roll: --- als zuvor bin. Aber meine gelassene Heiterkeit hat sich verloren. Irgendwann auf Seite 320 hat mir dieser Camus mit seiner Pest die Laune versaut.

Womöglich bin ich bereits zum Zombie mutiert und Brad Pitt lauert mit einer Pum.p.g.un (die Punkte hab ich gesetzt, damit der Text nicht von den Amerikanern gefiltert wird und hier gleich das Überfa+ll-Kommando auftaucht --- immerhin sitz ich gerade mitten unter Arabe.rn, was mich verdächtig macht .... oh mann, wer so singt, braucht keine B.ö.m.bä mehr) und Brad Pitt lauert schon vor der Tür auf mich. Eine Dro-hne kann's ja nicht sein, denn De Maizieres Spielzeughubschrauber sind gerade in Reparatur.

Jeden Tag ein neues Abenteuer. Salemaleikum, wa?


P.S: Voll krass. Seit dieser Sn.owdon in Moskau ist, bekomme ich die Sexspam nicht mehr aus Nordkorea, sondern aus Russland. Keine Chance, meine Geheimformel bekommt ihr nicht! :|

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Re: World War Z

Beitrag von Montrose » 16.08.2013, 15:30

Neues aus Nordkorea.
Dort ist der Forentroll ein offiziell anerkannter Ausbildungsberuf.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/prop ... 16936.html

Was der o.g. Artikel nicht sagt: Forentrolle werden nicht nur nach Südkorea, sondern auch in Ritterforen geschickt.

Dosaqong dä li chung wongpeng gong ying yen song wang.

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Re: World War Z

Beitrag von Montrose » 27.10.2013, 19:54

Ender's Game.

Ich mach hier mal was besonders Übles: ich erzähl Euch den Schluß des Films.

Junger Hosenmatz wird aufgrund seiner tollen Fähigkeiten in Computerspielen darauf trainiert, gegen die Aliens zu kämpfen. Wie schon Harry Potter starrt er mit großen Bambi-Augen in die Welt, beherrscht bald alle Kampftricks und wird in einer angeblichen Endprüfung seiner Fertigkeiten in eine Kampf-Simulation geschickt. In dieser Simulation vernichtet er den Planeten der Aliens. Ups, Überraaaschung: es stellt sich heraus, daß die Simulation in Wirklichkeit echt war, der Held der Geschichte hat die Aliens tatsächlich gekillt. Gerade mal 14 wird er zum Admiral befördert und bereut doch schröcklich, was er den Aliens angetan hat.

Was für eine gequirlte Scheiße!!!

Aber was sagen die Kritiken im Internet?? "Klasse". Man müsse unbedingt das Buch dazu gelesen haben, beeindruckend. Ich sag's Euch nochmals: der Film ist gequirlte Scheiße.

Minimalistisches Ambiente, billige Kampfeffekte nach Art von Computerspielen .... ein low-budget Film, den irgendeiner am Computer an zwei Nachmittagen runterprogrammiert hat. Oberflächliche Charaktere. Mit fetter Moral auf's Marmelade-Brot: fieser General, Ausnutzung des armen Buben (wie kann dieser Zwerg der Held der Geschichte sein, wenn er das Offensichtliche nicht von Anfang an durchschaut), Massenmord. Und zum Glück eine Moral, die ins Nirgendwo zielt. Denn in Wirklichkeit gibt es gar keine Aliens. Puuuh. Wäre ja echt scheiße, wenn man sich im Kino mal mit echten Bedrohungen auseinandersetzen müßte.

Im Prinzip ist der Film genauso albern, wie wenn ich in Shining-Manier (Stanley Kubrick) mit meinem Finger sprechen würde.

Spart Euch das Geld. Irgendwann kommt sicher mal wieder ein guter Film.


Ergänzung http://www.salzburg.com/nachrichten/fre ... all-79754/

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dark-knight
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Re: World War Z

Beitrag von dark-knight » 04.08.2015, 09:03

Hmmm, ok... müsste ihn endlich gucken. Ansonsten findet man nie heraus, ob er gut war/ist.

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