Hobbits 18.01.11 Phoenix

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Norbert von Thule
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Hobbits 18.01.11 Phoenix

Beitrag von Norbert von Thule »

Hobbit ”“ Der Urmensch von Flores am 29.11.08 auf ARTE um 21.00 Uhr

Die Reiseberichte "Der Hobbit" und "Der Herr der Ringe" sind nach Tolkiens Angaben Übersetzungen aus der Sprache der Hobbits. Laut dem Anhang F zu "Der Herr der Ringe" ist diese Sprache jedoch von einer älteren Wurzel, der Sprache des Volks von Rohan, abgeleitet. Die Selbstbezeichnung der Hobbits in ihrer Sprache ist "Kuduk" gewesen, was sich als verschliffene Form des rohirrimschen "KÁ»d-DÁ»kan" erklärt, was soviel wie "Höhlenbewohner" (wörtl. "Erdlochbewohner") heißt. Da Tolkien die Sprache der Hobbits in modernes Englisch übertragen hat, überträgt er folgerichtig die ältere Sprache Rohirrim, von der sie ja abgeleitet ist, ins Altenglische. Höhlenbewohner (KÁ»d-DÁ»kan) heißt auf altenglisch "Holbytla", was dann zu modernem Englisch verschliffen zu "Hobbit" wird.

Auch die heutigen Bewohner der Insel Flores erzählen sich von ihren Vorfahren überlieferte Geschichten von sehr kleinwüchsigen Menschen, die in Höhlen lebten und denen ihre Vorfahren Essen brachten. Die kleinwüchsigen "Ebu Gogo" ("Alles-Esser"), wie sie in den Legenden genannt werden, verspeisten alles, was ihnen an die Höhleneingänge gestellt wurde, inklusive der Kalebassen (getrocknete Schalen), in denen die Speisen transportiert wurden.*

Im September 2003 fand ein australisch-indonesisches Archäologenteam unter der Leitung von Mike Morwood in einer Karsthöhle namens Liang Bua erstmals Fossilien eines Hobbit. Jetzt stellen Mike Morwood und Kollegen von australischen und indonesischen Institutionen ihre neuen Ergebnisse vor*. An derselben Stelle, wo die erste Hobbit-Frau ausgegraben hatten, entdeckten sie nun unter anderem Arm-, Bein-, Kiefer-, Finger-, Zehen- und Oberschenkelknochen, sowie Wirbel und ein Schulterblatt von mindestens neun verschiedenen Individuen, die die ursprüngliche Vermutung, es könne sich um eine individuelle Anomalie darstellen wiederlegte, sondern die durchschnittliche Größe der Hobbits bestätigte.

Dass es sich beim nach dem Fundort Homo florensis* genannten Menschen um eine eigene Art handelt zeigt vor allem die Größe des Gehirns, das im menschlichen Durchschnittsmaßstab proportional zum Körper verkleinert ist, was bei anderen kleinwüchsigen Menschen mit schwersten geistigen und körperlichen Behinderungen verbunden wäre. Eine virtuelle Rekonstruktion der Washington University in St. Louis vom Schädelinhalt zeigt keine krankheitsbedingte Deformation, sondern ein gesundes Gehirn*, was auch die Beifunde* bestätigen: komplexe Werkzeuge, die Beherrschung des Feuers und Fisch bis Rieseneidechse auf dem Speiseplan, setzen eine gute soziale Organisation und sprachliche Verständigung voraus.

Bild
Bilder, oben: Hobbitschädel, Hobbitgehirn, unten: Hobbithöhle (links), Hobbitoberschenkel (Mitte), Hobbitfuß (rechts)

Eine Analyse durch William Jungers (Stony Brook University) ergab, dass Homo floresiensis im Vergleich zu Homo sapiens ungewöhnlich große und flache Füße hatte: Während die Füße heutiger Menschen ungefähr 55 Prozent der Länge ihres Oberschenkels besitzen, hatten die Füße von Homo floresiensis eine Länge von 70 Prozent der Länge ihres Oberschenkels.

Die Hobbits bewohnten die Insel Flores sehr lange. Das erste gefundene, Skelett "LB1" ist 18.000 Jahre alt, es gab dort aber auch schon Hobbits vor 95.000 Jahren. Der jüngste Knochen stammt vom Unterarm eines Kindes und ist nicht älter als 12.000 Jahre. Vor ungefähr 50.000 Jahren besiedelte auch der Homo sapiens sapiens die Insel. Menschen und Hobbits lebten also zehntausende Jahre lang gemeinsam dort.
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Norbert von Thule
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"Hobbits"

Beitrag von Norbert von Thule »

Bild der Wissenschaft heute:
"Hobbits" lebten auf großem Fuß

Der Homo floresiensis ist wohl doch eine eigene Art


Forscher haben die Füße des Homo floresiensis genau analysiert und sind der endgültigen Aufklärung des Rätsels um die Abstammung des Zwergmenschen vielleicht einen Schritt näher gekommen: Der auch als "Hobbitmensch" bekannte Verwandte stammt vermutlich von einem Vorfahren des Homo erectus ab, der Afrika schon viel früher verlassen hat als bisher angenommen, schließen die Forscher aus der Untersuchung der Fußknochen. Seit der Entdeckung des ersten Skeletts im Jahr 2003 auf der indonesischen Insel Flores streiten sich Wissenschaftler darüber, ob es sich dabei um eine eigene Art der Gattung Homo handelt oder um krankhaft veränderte moderne Menschen, berichten William Jungers von der Universität in Stony Brook und seine Kollegen.
Der Homo floresiensis lebte bis vor etwa 18.000 Jahren auf der indonesischen Insel und existierte damit zeitgleich mit dem modernen Menschen. Die "Hobbitmenschen" waren von kleinem Wuchs und hatten zudem ein kleines Gehirn. Als mögliche dafür verantwortlichen Krankheiten diskutierten Forscher Mikrozephalie und Kretinismus, die beide ähnliche Deformationen des Körperbaus hervorrufen können. Die neuen Untersuchungen sprechen jedoch dafür, dass es sich beim Homo Floresiensis tatsächlich um eine eigene Art handelt.
Die Wissenschaftler um Junger untersuchten den Fuß des Fossils LB-1, dem ersten Fund in der Liang-Bua-Höhle. Der Fuß ist steif und besitzt keine gegenüberstehenden Zehen mehr. Damit ähnelt er dem menschlichen. In anderen Merkmalen unterscheidet er sich jedoch deutlich von dem des modernen Menschen: Der Hobbitfuß ist überdurchschnittlich lang im Vergleich zum Bein und die gedrungene große Zehe ist schimpansenähnlich.
Den entscheidenden Unterschied sehen die Forscher im Kahnbein, einem kurzen Knochen der Fußwurzel. Das Kahnbein des Hobbits ist wie das der Menschenaffen beschaffen und lässt darauf schließen, dass die Hominiden ebenfalls kein Fußgewölbe hatten. Dieses ist aber unerlässlich für einen Langläufer, wie der moderne Mensch einer ist. Die Forscher schließen aus ihren Untersuchungen, dass der Homo floresiensis eine eigene Spezies ist. Die Hobbits besitzen viele nicht weiterentwickelte Merkmale eines Vorfahren, der Afrika schon sehr viel eher verlassen hat, als bisher angenommen wurde.
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Norbert von Thule
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Re: Hobbits 18.01.11 Phoenix

Beitrag von Norbert von Thule »

Hobbits - Die Zwerge vom Ende der Welt am 18.01.11 auf Phoenix um 0.45 - 1.30 Uhr

Seit "Herr der Ringe" sind sie schon lange ein Begriff: Hobbits, Halblinge, das kleine Volk. Paläoanthropologen hingegen waren immer sicher, dass zu einer intelligenten menschlichen Art eine gewisse Größe, mindestens aber eine gewisse Hirngröße gehört. Nun scheinen die Zeiten vorbei zu sein, als allein das Volumen unseres Denkapparates als Maß unserer Intelligenz herangezogen wird.
Wie erst vor kurzem bekannt wurde, entdeckte der britische Anthropologe Peter Brown auf der indonesischen Insel Flores Knochen, die von einem erwachsenen Menschen von nur 90 Zentimetern Größe stammen. Seither jagt ein Sensationsfund den anderen. Die Hobbits waren, wie ihr Knochenbau zeigt, vermutlich Nachfahren des Homo erectus, der auch zu unseren Ahnen gehört. Erectus gilt als der erste Weltreisende. Er stammte aus Afrika, besiedelte vor 1,7 Millionen Jahren Europa und Asien und drang offensichtlich bis zu den entlegensten Inseln Indonesiens vor.

Bild
Bilder (Phoenix/ZDF/National Geographic): Nur 90 Zentimeter groß war das erste Hobbit-Skelett, das die Wissenschaftler auf der Insel Flores ausgruben. Es gehörte einer älteren Frau. Vor allem die Zähne gaben erste Hinweise, dass es sich bei dem Fund nicht um ein Kind unserer eigenen Art handelte. Der Schädel des Hobbits passt in die Hand von Thomas Sutikna, einem der Ausgräber. Wie sah der Hobbit aus? Forensiker und Künstler wirkten zusammen, um dem kleinsten aller Menschen sein Gesicht zurück zu geben.

Das Leben auf dem isolierten Eiland Flores wirkte sich massiv auf die Evolution der Zuwanderer aus. Zum ersten Mal ist beim Menschen ein Phänomen zu beobachten, das im Tierreich häufig dokumentiert wurde: Insulaner schrumpfen! Sind Nahrung und Raum begrenzt, gerät eine Population von wenigen Großen in die Gefahr auszusterben. Viele Kleine hingegen haben bessere Überlebenschancen. Die Erectus auf Flores schrumpften im Laufe der Jahrtausende um die Hälfte ihrer ursprünglichen Größe. Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten verloren sie allerdings nicht. Das belegen neueste Funde. Das Grabungsteam barg nicht nur insgesamt sieben Vertreter der ungewöhnlichen Hobbits, sondern auch einige Überreste ihres Hausstandes. Hochentwickelte Klingen weisen sie als Meister der Steinbearbeitung aus. Mit ihren fortschrittlichen Waffen jagten sie Stegodon, einen ebenfalls verkleinerten Vetter des heute lebenden Elefanten. ”¨”¨Mindestens 90000 Jahre bevölkerten die Wichtel ungestört ihr prähistorisches Hobbitland und ernährten sich von Elefantensteaks, als Homo sapiens dem Idyll möglicherweise ein jähes Ende bereiteten. Vor 12000 Jahren verschwanden die Hobbits für immer von ihrer tropischen Insel, doch bis heute gibt es in Indonesien zahlreiche Geschichten und Legenden, die von Zwergen berichten. Einige Forscher glauben sogar, dass auch an anderen, besonders isolierten Orten kleinwüchsige Menschentypen entstanden sein könnten. Womöglich enthalten Sagen, Mythen und Märchen über Wichtel oder Trolle und damit sogar Tolkiens Hobbits aus "Herr der Ringe" einen realen Kern. ”¨”¨Welche Auswirkungen der Fund auf unser Menschenbild haben wird, kann noch niemand absehen. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass die gesamte Menschheitsgeschichte neu geschrieben werden muss.

Fortsetzung am 27./28.01., am 03./04. und am 10./11.02.11 auf VOX (Der Herr der Ringe)
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